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Jetzt kaufen, später zahlen: Was BNPL wirklich kostet

Später zahlen fühlt sich harmlos an. Die Zahlen der BaFin zeigen, wo es kippt – und welche neuen Regeln ab November 2026 greifen.

Ein Klick im Checkout, und die Rechnung verschiebt sich um 30 Tage. „Jetzt kaufen, später zahlen" – kurz BNPL – fühlt sich nicht wie ein Kredit an, sondern wie eine praktische Zahlart. Genau darin liegt der Reiz. Und genau darin liegt das Problem.

Wie verbreitet „später zahlen" wirklich ist

Die Finanzaufsicht BaFin hat im April 2025 rund 4.900 Menschen zwischen 18 und 60 Jahren befragen lassen und die Ergebnisse Anfang 2026 veröffentlicht. Ein Fünftel von ihnen zahlt beim Online-Einkauf mit BNPL-Methoden. Gekauft wird damit vor allem Kleidung (55 Prozent der Nutzenden) und Elektronik (43 Prozent), meist unterwegs: 58 Prozent wickeln diese Käufe überwiegend auf dem Handy oder Tablet ab.

Interessant ist das Motiv. Bei Rechnungskauf und Monatsrechnung steht selten der Kredit im Vordergrund, sondern die Bequemlichkeit – die Hälfte nennt genau das. 40 Prozent wollen die Ware erst ansehen oder anprobieren, bevor Geld fließt. Das ist ein völlig nachvollziehbarer Grund. Aber 16 Prozent geben auch an, gekauft zu haben, obwohl das Geld zum Kaufzeitpunkt nicht da war. Bei den Ratenzahlungen sind es sogar 29 Prozent.

Wo die Bequemlichkeit kippt

Der Überblick geht verloren

14 Prozent der BNPL-Nutzenden – jede siebte Person – haben nach eigener Einschätzung schon einmal den Überblick über offene Rechnungen und Raten verloren. Bei den Unter-Dreißigjährigen ist es fast jede vierte. Das ist die logische Folge davon, dass jeder einzelne Betrag klein wirkt, während sich mehrere Zahlungsziele über verschiedene Anbieter und Wochen verteilen.

Es wird mehr ausgegeben als geplant

24 Prozent haben mit BNPL schon einmal mehr Geld ausgegeben, als sie eigentlich wollten. Unter 30 sind es 38 Prozent. Das ist kein Zufallseffekt: Wer die Zahlung nicht spürt, kalkuliert anders.

Gebühren und Rückstände sind keine Randerscheinung

26 Prozent mussten mindestens einmal Mahngebühren zahlen, 21 Prozent waren schon mit einer Rate im Rückstand. 12 Prozent hatten zum Befragungszeitpunkt über 500 Euro offen. Und 57 Prozent haben einen Rechnungskauf nachträglich in eine Ratenzahlung umgewandelt – die Verschiebung wird also aktiv genutzt, oft weil das Geld zum Fälligkeitstag fehlt.

Was Menschen tun, wenn es eng wird, ist der eigentlich bemerkenswerte Teil der Umfrage: 10 Prozent haben sich Geld bei Familie oder Freunden geliehen, 8 Prozent haben Ersparnisse angegriffen oder Sparraten gekürzt, 7 Prozent haben den Dispo genutzt, 4 Prozent haben einen zusätzlichen Kredit aufgenommen, um BNPL-Raten zu bedienen. 3 Prozent haben deswegen eine Schuldnerberatung kontaktiert.

Was sich ab dem 20. November 2026 ändert

Bislang fielen viele BNPL-Angebote durch das Raster des Verbraucherkreditrechts – zinsfrei, kurze Laufzeit, kleiner Betrag. Das ändert sich. Deutschland setzt die EU-Richtlinie 2023/2225 um; der Bundesrat hat dem Gesetz im Mai 2026 zugestimmt, die neuen Regeln sollen ab dem 20. November 2026 gelten. Die wichtigsten Punkte für Käuferinnen und Käufer:

  • Erweiterter Anwendungsbereich: Kleinkredite bis 200 Euro, zins- und gebührenfreie Kredite, Laufzeiten bis drei Monate und BNPL-Modelle fallen künftig unter das Verbraucherdarlehensrecht.
  • Kreditwürdigkeitsprüfung: Auch kleine Beträge werden vor Vertragsschluss geprüft und dokumentiert.
  • Recht auf menschliche Prüfung: Wenn die Bonitätsentscheidung automatisiert getroffen wurde, kann eine Überprüfung durch einen Menschen verlangt werden.
  • Mehr vorvertragliche Informationen: Kosten und Bedingungen müssen vor dem Klick klar auf dem Tisch liegen.
  • Ende des „ewigen Widerrufsrechts": Bei fehlerhaften Informationen ist der Widerruf künftig auf maximal zwölf Monate und 14 Tage begrenzt.

Debitkarten mit Zahlungsaufschub hat der Bundestag ausdrücklich aus dem Anwendungsbereich ausgenommen. Praktisch heißt das: Der Checkout wird ab November etwas langsamer und etwas ehrlicher. Für die Kaufentscheidung selbst ändert das wenig.

Fünf Fragen vor dem nächsten „später zahlen"

  1. Könnte ich das heute bezahlen? Wenn nein, ist es kein Zahlungsziel, sondern ein Kredit.
  2. Wie viele offene Posten habe ich gerade? Eine einzige Liste – Anbieter, Betrag, Fälligkeit – reicht meist schon, um die Übersicht zurückzuholen.
  3. Nutze ich den Rechnungskauf zum Anprobieren oder zum Aufschieben? Ersteres ist sinnvoll, Zweiteres teuer.
  4. Was passiert bei Verzug? Mahngebühren, Verzugszinsen und im schlimmsten Fall Inkasso sind der reale Preis der Bequemlichkeit.
  5. Wäre die Entscheidung auch morgen noch dieselbe? Der Aufschub der Zahlung ersetzt nicht den Aufschub der Entscheidung.

Die entscheidende Frage kommt vorher

BNPL ist ein Symptom, nicht die Ursache. Wer sicher ist, dass ein Produkt passt, braucht selten drei Zahlungsziele – und retourniert seltener. Die teuerste Entscheidung ist fast nie die Zahlart, sondern der Kauf, der von Anfang an nicht gepasst hat.

Genau an dieser Stelle setzt Nuvio an: nicht bei der Frage, wie du bezahlst, sondern ob das Produkt überhaupt zu dir passt – neutral, werbefrei und mit einer klaren Empfehlung statt endloser Auswahl. Denn eine gute Kaufentscheidung ist immer noch das wirksamste Mittel gegen offene Rechnungen.

Kernaussage: „Später zahlen" verschiebt die Zahlung, nicht das Risiko. Ab November 2026 gelten strengere Regeln – der beste Schutz bleibt trotzdem die Entscheidung vor dem Klick.

Quellen

Weniger suchen, besser entscheiden.

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