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CE-Zeichen & Produktsicherheit: Was vor dem Kauf zählt

Ein CE-Zeichen beweist wenig – der Hersteller erklärt es selbst. Welche Angaben ein Online-Angebot seit Dezember 2024 zeigen muss und wo du Warnungen prüfst.

Ein USB-Ladegerät für vier Euro, eine Halskette für drei, ein Beißring für zwei. Auf allen klebt ein CE-Zeichen, alle sehen aus wie aus dem Fachgeschäft. Trotzdem fielen im Herbst 2025 bei einem Test der Stiftung Warentest mehr als zwei Drittel solcher Produkte durch. Der Grund ist simpel: Das CE-Zeichen sagt weniger, als die meisten glauben. Was es wirklich bedeutet, welche Angaben ein Online-Angebot seit Dezember 2024 enthalten muss und wo du in zwei Minuten nach Warnungen suchst.

CE-Zeichen: eine Erklärung des Herstellers, kein Prüfsiegel

CE steht für „Conformité Européenne", also europäische Konformität. Mit dem Zeichen erklärt der Hersteller selbst, dass sein Produkt alle für diese Produktgruppe geltenden EU-Vorschriften einhält. Dazu unterschreibt er eine sogenannte Konformitätserklärung. Eine unabhängige Stelle prüft das in der Regel nicht. Das Zeichen wirkt wie ein Reisepass: Es erlaubt den Verkauf in jedem EU-Mitgliedstaat.

Drei Dinge solltest du dazu wissen:

  • CE ist nur für bestimmte Produktgruppen Pflicht, etwa Spielzeug, Elektrogeräte, Maschinen oder Medizinprodukte. Auf Lebensmitteln oder Büchern darf es gar nicht stehen.
  • Bei hohem Risiko prüft doch jemand von außen. Bei Atemschutzmasken oder Klettergurten muss eine notifizierte Stelle mitwirken. Das erkennst du an einer vierstelligen Nummer direkt neben dem CE-Zeichen.
  • Ein Aufdruck kostet nichts. Im Warentest-Vergleich trugen alle Spielzeuge und Ladegeräte ein CE-Zeichen, teils aber nur auf der Verpackung statt auf dem Produkt selbst. Nachweisen musste es niemand.

Der Merksatz lautet also: CE heißt „ich halte mich an die Regeln", nicht „jemand hat nachgesehen".

GS-Zeichen: freiwillig, aber unabhängig geprüft

Das GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit") funktioniert anders. Hier prüft eine zugelassene, unabhängige GS-Stelle ein Baumuster und kontrolliert anschließend regelmäßig die Produktion. Dabei werden auch Risiken untersucht, die über die reine CE-Pflicht hinausgehen, zum Beispiel, ob der Kunststoff eines Wasserkochers Schadstoffe ans Wasser abgibt. GS ist freiwillig und auch für Produkte ohne CE-Pflicht möglich, etwa Möbel. Fehlt es, ist ein Produkt nicht automatisch unsicher. Aber dann hat außer dem Hersteller niemand hingeschaut.

Was die Zahlen zeigen

Das EU-Schnellwarnsystem Safety Gate hat 2025 rund 4.670 Warnmeldungen zu gefährlichen Produkten erfasst, so viele wie nie seit dem Start 2003. Das sind 13 Prozent mehr als 2024 und mehr als doppelt so viele wie 2022. Am häufigsten betroffen: Kosmetik (36 Prozent), Spielzeug (16 Prozent) und Elektrogeräte (11 Prozent). Mehr als die Hälfte der Meldungen (53 Prozent) ging auf gefährliche Chemikalien zurück, 14 Prozent auf Verletzungsrisiken, 9 Prozent auf Erstickungsgefahr.

Wie das im Alltag aussieht, zeigt der erwähnte Test der Stiftung Warentest vom Oktober 2025. Gemeinsam mit Verbraucherorganisationen aus Belgien und Dänemark kaufte sie 162 Produkte bei Drittanbietern auf Temu und Shein: je 54 Halsketten, USB-Netzteile und Spielzeuge für Kinder unter drei Jahren. Das Ergebnis:

  • 110 von 162 Produkten erfüllten die EU-Sicherheitsanforderungen nicht, rund ein Viertel gilt als potenziell gefährlich.
  • 52 von 54 USB-Netzteilen fielen bei der elektrischen Sicherheit durch.
  • Ein Kettenanhänger überschritt den Grenzwert für das Schwermetall Cadmium um das 8.500-Fache.
  • Beim Babyspielzeug lösten sich Kleinteile, die verschluckt werden können; Warnhinweise fehlten oft.

Die Lehre daraus ist nicht „alles aus Fernost ist gefährlich". Sie lautet: Ein niedriger Preis und ein aufgedrucktes Zeichen ersetzen keine Prüfung.

Seit Dezember 2024: Diese Angaben muss jedes Online-Angebot zeigen

Seit dem 13. Dezember 2024 gilt in der EU die Produktsicherheitsverordnung (GPSR, Verordnung (EU) 2023/988). Für dich als Käufer ist vor allem Artikel 19 interessant. Danach muss jedes Online-Angebot eines Verbraucherprodukts gut sichtbar enthalten:

  1. Name, Handelsname, Postanschrift und E-Mail-Adresse des Herstellers.
  2. Eine verantwortliche Person in der EU, mit Name, Anschrift und E-Mail, wenn der Hersteller außerhalb der EU sitzt.
  3. Angaben zur Identifizierung des Produkts, inklusive Abbildung, Produktart und Kennungen wie Modell- oder Chargennummer.
  4. Warnhinweise und Sicherheitsinformationen, sofern es welche gibt.

Auch Marktplätze wie Amazon, eBay oder Temu haben Pflichten: Sie müssen die Anzeige dieser Angaben ermöglichen, eine zentrale Kontaktstelle für Verbraucher einrichten, ihr Sortiment stichprobenartig gegen behördliche Warnmeldungen prüfen und auf Anordnung einer Behörde gefährliche Angebote innerhalb von zwei Arbeitstagen sperren.

Für deine Kaufentscheidung ergibt sich daraus das einfachste Kriterium überhaupt: Fehlen Hersteller und EU-Ansprechpartner im Angebot, ist es nicht regelkonform. Und im Ernstfall hast du niemanden in Europa, an den du dich wenden kannst.

Vor dem Kauf: drei Prüfungen in zwei Minuten

1. Hersteller und EU-Verantwortlichen suchen

Scroll in der Produktbeschreibung bis zu den Herstellerangaben. Steht dort nur ein Fantasiename ohne Adresse oder gar nichts, lass es liegen. Das gilt doppelt für alles, was Kinder in den Mund nehmen oder was an die Steckdose kommt.

2. Safety Gate durchsuchen

Auf der Safety-Gate-Seite der EU-Kommission kannst du nach Produktart, Marke oder Stichwort suchen. Jeden Freitag erscheint dort ein Wochenbericht mit neuen Warnungen; für Deutschland führt die BAuA zusätzlich eine eigene Datenbank. Wer ein verdächtiges Produkt entdeckt, kann es über das EU-System ICSMS melden.

3. Auf Zeichen achten, hinter denen eine Prüfung steht

Ein GS-Zeichen, die vierstellige Nummer neben dem CE bei Schutzausrüstung oder Prüfzeichen anerkannter Stellen wie VDE oder TÜV bedeuten: Jemand außer dem Hersteller hat das Produkt in der Hand gehabt. Bei allem, was an die Steckdose kommt, ist das der Unterschied, der zählt.

Wenn es schiefgeht: deine Rechte bei einem Rückruf

Wird ein gekauftes Produkt später als gefährlich eingestuft, muss der Händler oder Marktplatz dich direkt über die beim Kauf hinterlegten Kontaktdaten informieren; sonst ist eine öffentliche Anzeige mit der Überschrift „Produktsicherheitsrückruf" Pflicht. Die Abhilfe muss kostenfrei und zeitnah sein, und du kannst zwischen mindestens zwei Optionen wählen: Reparatur, Ersatz durch ein sicheres Produkt gleicher Qualität und gleichen Werts oder Erstattung des Kaufpreises.

Das Wichtigste in Kürze

  • CE ist eine Selbsterklärung des Herstellers, GS eine unabhängige Prüfung.
  • Seit dem 13. Dezember 2024 gehören Hersteller, EU-Verantwortlicher, Produktkennung und Warnhinweise in jedes Online-Angebot.
  • 2025 gab es so viele Produktwarnungen wie nie; im Warentest fielen mehr als zwei Drittel der Temu- und Shein-Produkte durch.
  • Vor dem Kauf: Angaben prüfen, Safety Gate checken, echte Prüfzeichen suchen.

Bei Nuvio gehört genau diese Frage zur Empfehlung: nicht nur, wie gut ein Produkt ist, sondern wie belastbar die Angaben dazu sind. Eine Empfehlung kommt mit Grund und Schwäche. Und manchmal heißt Rückendeckung beim Kauf: Kauf es nicht.

Quellen

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