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Greenwashing erkennen: Was Öko-Werbung wirklich sagt

Grün, klimaneutral, umweltfreundlich – viele dieser Versprechen halten der Prüfung nicht stand. So erkennst du, was wirklich dahintersteckt.

Ein grünes Blatt auf der Verpackung, das Wort „klimaneutral" im Produkttitel, ein Siegel, das offiziell aussieht: Umweltversprechen sind im Onlinehandel längst ein Verkaufsargument. Das Problem ist nur, dass viele dieser Versprechen wenig darüber sagen, wie das Produkt tatsächlich hergestellt wurde. Wer bewusst kaufen will, braucht deshalb weniger gutes Gefühl und mehr Prüfroutine.

Warum Umweltwerbung so schwer zu bewerten ist

Begriffe wie „grün", „umweltfreundlich" oder „nachhaltig" sind keine geschützten Fachbegriffe. Sie können sich auf die Verpackung beziehen, auf einen einzelnen Rohstoff, auf den Transportweg – oder auf gar nichts Konkretes. Zwei Produkte mit derselben Aussage können also völlig unterschiedliche Umweltbilanzen haben.

Besonders vielschichtig ist der Begriff „klimaneutral". Er kann bedeuten, dass ein Hersteller seine Emissionen tatsächlich gesenkt hat. Er kann aber genauso gut bedeuten, dass die Produktion emissionsintensiv geblieben ist und das Unternehmen lediglich Zertifikate für Klimaschutzprojekte gekauft hat. Der Bundesgerichtshof hat genau diesen Punkt 2024 in einem Verfahren gegen den Süßwarenhersteller Katjes aufgegriffen (Urteil vom 27. Juni 2024, I ZR 98/23): Wer mit Klimaneutralität wirbt, muss bereits in der Werbung selbst erklären, wie sie zustande kommt. Ein QR-Code auf der Verpackung, der irgendwohin führt, reicht nicht.

Was sich ab dem 27. September 2026 ändert

Die EU hat mit der sogenannten EmpCo-Richtlinie (Richtlinie (EU) 2024/825) nachgeschärft. Deutschland setzt sie über eine Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) um; die neuen Regeln gelten ab dem 27. September 2026. Für dich als Käuferin oder Käufer sind vor allem drei Punkte relevant:

  • Allgemeine Umweltaussagen wie „umweltfreundlich" oder „klimafreundlich" sind nur noch erlaubt, wenn eine anerkannte hervorragende Umweltleistung nachgewiesen ist – etwa über den Blauen Engel oder das EU Ecolabel.
  • „Klimaneutral" allein durch Kompensation wird unzulässig. Wenn die behauptete Neutralität nur durch zugekaufte CO₂-Zertifikate außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette entsteht, darf damit nicht mehr geworben werden.
  • Selbst erfundene Siegel sind raus. Nachhaltigkeitssiegel müssen auf einem öffentlich nachvollziehbaren Zertifizierungssystem beruhen oder von einer staatlichen Stelle stammen.

Auch Versprechen für die Zukunft („bis 2035 klimaneutral") sind künftig an Bedingungen geknüpft: Es braucht einen öffentlich zugänglichen Umsetzungsplan mit messbaren, terminierten Zielen und eine regelmäßige externe Überprüfung.

Praktisch heißt das: Ein Teil der schwammigen Werbung verschwindet. Aber Regeln ersetzen keine eigene Einschätzung – und bis zum Stichtag findest du die alten Formulierungen weiterhin überall.

Fünf Prüffragen für den Alltag

1. Worauf bezieht sich die Aussage genau?

„Aus 90 % Recyclingmaterial" ist überprüfbar. „Für eine bessere Zukunft" ist es nicht. Je konkreter und je enger die Aussage auf ein Produktmerkmal bezogen ist, desto belastbarer ist sie.

2. Ist das Siegel unabhängig vergeben?

Vertrauenswürdige Umweltzeichen wie der Blaue Engel (seit 1978, das weltweit erste Umweltzeichen) oder das EU Ecolabel arbeiten mit definierten Kriterien und externer Prüfung. Das Umweltbundesamt führt dazu einen Labelratgeber, das Europäische Verbraucherzentrum eine Übersicht europäischer Label. Ein Logo, das nur auf der Herstellerwebsite existiert, ist kein Siegel, sondern Gestaltung.

3. Reduktion oder Kompensation?

Frage dich bei jeder Klimaaussage: Wurde etwas vermieden – oder nachträglich verrechnet? Beides ist nicht dasselbe, und nur eines verändert die tatsächliche Produktion.

4. Wird ein Detail zum Gesamturteil aufgeblasen?

Eine plastikfreie Umverpackung macht ein kurzlebiges Gerät nicht nachhaltig. Achte darauf, ob die beworbene Verbesserung den relevanten Teil des Produkts betrifft.

5. Wie lange hält das Produkt?

Die ehrlichste Nachhaltigkeitsfrage ist oft die unspektakulärste. Reparierbarkeit, Ersatzteilverfügbarkeit und Lebensdauer wirken sich meist stärker aus als jedes Label auf der Schachtel.

Das Wesentliche

Umweltwerbung ist Werbung. Sie ist dafür gemacht, ein Produkt attraktiver wirken zu lassen – nicht dafür, dich vollständig zu informieren. Die neuen UWG-Regeln räumen ab Ende September 2026 einen Teil der leeren Versprechen weg, aber die Unterscheidung zwischen belegter Umweltleistung und geschickter Formulierung bleibt deine Aufgabe.

Genau an dieser Stelle setzt der Gedanke hinter Nuvio an: eine Kaufberatung, die Produkteigenschaften nüchtern gegeneinanderstellt, statt Marketingbegriffe weiterzureichen. Wer weiß, worauf eine Aussage sich stützt, trifft schneller eine Entscheidung, die auch in einem Jahr noch richtig war.

Quellen

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