250 Gramm für 2,99 Euro oder 400 Gramm für 4,49 Euro — welche Packung ist günstiger? Wer das im Kopf ausrechnen will, steht länger vor dem Regal, als ihm lieb ist. Genau dafür gibt es den Grundpreis: den Preis pro Kilogramm oder Liter, der auf fast jedem Preisschild stehen muss. Er ist das ehrlichste Werkzeug im ganzen Laden — wenn man weiß, wie man ihn liest.
Was der Grundpreis ist
Der Grundpreis ist der Preis einer Ware je Mengeneinheit, inklusive Umsatzsteuer. Als Einheit gilt seit dem 28. Mai 2022 einheitlich 1 Kilogramm oder 1 Liter (bei anderen Waren 1 Meter, 1 Quadratmeter oder 1 Kubikmeter). Die frühere Ausnahme, dass kleine Packungen bis 250 Gramm auch pro 100 Gramm ausgezeichnet werden durften, ist mit der neuen Preisangabenverordnung entfallen. Nur bei loser Ware — etwa an der Frischetheke — darf weiterhin auf 100 Gramm oder 100 Milliliter bezogen werden.
Diese Vereinheitlichung ist wichtiger, als sie klingt: Vorher standen am selben Regal Preise pro 100 Gramm neben Preisen pro Kilogramm. Wer nicht genau hinsah, verglich Äpfel mit dem Zehnfachen von Birnen.
Wo der Grundpreis stehen muss
Händler müssen den Grundpreis angeben, wenn Waren in Fertigpackungen, offenen Packungen oder als Verkaufseinheiten nach Gewicht, Volumen oder Fläche angeboten werden. Das gilt im Supermarkt genauso wie im Online-Shop. Die Angabe muss unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar sein — in unmittelbarer Nähe des Endpreises.
Die Praxis sieht oft anders aus: Marktchecks der Verbraucherzentralen zeigen immer wieder fehlende Grundpreise, falsche Bezugsgrößen und Angaben in winziger Schrift — im Einzelhandel wie in Online-Shops. Wer den Grundpreis nicht findet, sollte misstrauisch werden, nicht bequem.
Die wichtigsten Ausnahmen
Nicht überall ist ein Grundpreis Pflicht. Keine Angabe braucht es unter anderem bei:
- Waren unter 10 Gramm oder 10 Millilitern
- Produkten, die üblicherweise pro Stück verkauft werden (Brötchen, Gurken, Zitronen)
- Geschenkpackungen aus verschiedenartigen Produkten
- Waren aus Getränke- und Verpflegungsautomaten
- kleinen Läden mit Bedienung, etwa Kiosken, Hofläden oder Marktständen
- Produkten, bei denen Grund- und Endpreis identisch sind — etwa einem Liter Milch
Drei Feinheiten, die kaum jemand kennt
Abtropfgewicht zählt. Bei Konserven mit Flüssigkeit — etwa Obst oder Gemüse im Glas — bezieht sich der Grundpreis auf das Abtropfgewicht, nicht auf den Doseninhalt. Du vergleichst also, was du wirklich isst.
Zubereitetes Produkt zählt. Bei Tütensuppen, Puddingpulver und ähnlichen Konzentraten wird der Grundpreis für das fertig zubereitete Erzeugnis berechnet. Gerade hier passieren laut Verbraucherzentralen viele Fehler.
Gratisware zählt mit. Wirbt ein Anbieter mit „zwei Flaschen gratis", muss die Zugabe nach einem Gerichtsurteil in den Grundpreis eingerechnet werden — sofern es dasselbe Produkt ist. Das „Geschenk" senkt also den ausgewiesenen Kilopreis, statt daneben zu stehen.
So nutzt du den Grundpreis im Alltag
- Vergleiche nie Packungspreise, sondern immer Grundpreise. Die Packungsgröße ist Marketing, der Grundpreis ist Mathematik.
- Prüfe die Bezugsgröße. Steht dort wirklich 1 Kilogramm — oder bei loser Ware 100 Gramm? Ein schneller Blick verhindert den Faktor-10-Fehler.
- Misstraue der Großpackung. „Vorteilspack" und „XXL" sind Versprechen, keine Preise. Nicht selten ist die mittlere Größe pro Kilo am günstigsten.
- Nutze den Grundpreis gegen Shrinkflation. Wird die Packung kleiner, aber der Preis bleibt, verrät es der Grundpreis sofort — der Packungspreis verrät es nie.
- Auch online gilt die Pflicht. Fehlt der Grundpreis im Shop, rechne kurz selbst nach, bevor du in den Warenkorb legst.
Ein Preis ohne Bezugsgröße ist kein Preis
Der Grundpreis folgt einem einfachen Prinzip: Eine Zahl wird erst vergleichbar, wenn ihre Bezugsgröße stimmt. 4,49 Euro sagen nichts — 11,23 Euro pro Kilo sagen alles. Nach demselben Prinzip arbeiten wir bei Nuvio: Ein Wert ohne vergleichbare Grundlage ist keine Entscheidungshilfe, sondern nur eine Zahl. Wer beim nächsten Einkauf konsequent auf die kleine Zeile unter dem Preis schaut, trifft bessere Entscheidungen — ganz ohne Kopfrechnen vor dem Regal.